Verstetigung und Transfer - wie geht das? "Werkstatt" - Einblicke in ausgewählte XENOS-Projekte

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 63 XENOS-Projekten zeigten: Das Interesse an den Themen Verstetigung und Transfer ist riesig. Zwei vollgepackte Tage mit 22 Referaten und zahlreichen Foren forderten höchste Konzentration. 7 unterschiedliche Verstetigungsstrategien wurden genauer unter die Lupe genommen: "Kooperation mit Unternehmen", "Transfer von Projektergebnissen in neue Bereiche", "Aufbau von sozialen Unternehmen", "Organisationsveränderung", "Kooperation in und mit Verwaltungen", "Zertifizierung und Gütesiegel" und "Von Projektpraxis zu Regelpraxis".

Zwei Punkte können als Quintessenz dieser Veranstaltung festgehalten werden:
1. eine gute, umfassende Vernetzung, feste Kooperationen und die Einbeziehung hochrangiger strategischer Partner in Politik und/ oder Verwaltung und Unternehmen möglichst schon vor Projektbeginn sind eine absolut notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Verstetigungen in Strukturen oder Regelpraxis. Es bedarf partizipativer Abstimmungen mit den Transfer-/ VerstetigungsNEHMERN, der Aktivierung der Netzwerke und einer abgestimmten bottom-up und top-down orientierten Kommunikations- und Interventionsstrategie.
2. Die Wege, wie Verstetigung erreicht werden kann, sind fast so vielfältig, wie die Projekte und der Kreativität sind kaum keine Grenzen gesetzt.

22 Werkstattberichte, die von insgesamt 32 Referierenden vorgetragen wurden, bildeten einen guten und repräsentativen Querschnitt in die Arbeit der 113 XENOS-Projekte. Der Ansatz von XPBund, "echte" Werkstatteinblicke in die  unterschiedlichen Verstetigungs- und Transferstrategien der Projekte im regionalen und sektoralen Kontext zu bieten, ging sehr gut auf. Die Vielfalt der Denk- und Arbeitsweisen wurde ebenso deutlich, wie auch bestimmte Begrifflichkeiten, zum Beispiel "Übertragbarkeit" von Methoden und Ergebnissen. Viele der Präsentationen ermöglichten Einblicke in Projektzusammenhänge und durch zum Teil sehr lebhafte und anschauliche Schilderungen auch in die Prozesse und den aktuellen Transfer- bzw. Verstetigungs"stand". Beeindruckend war das hohe Niveau und die Differenziertheit, mit der mittlerweile über Verstetigung und Transfer nachgedacht wird und dabei sehr viel mehr in Betracht genommen wird als das nächste Förderprogramm. Das Interesse und die Notwendigkeit zur Verstetigung in Strukturen jenseits von Förderprogrammen ist bei den Projektträgern angekommen. Es werden mittlerweile gezielt Aktivitäten unternommen, um dies einzufädeln.

Die Tagung war geprägt von einer intensiven, angenehmen und vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre, viel gutem fachlichen Austausch in den Foren und in den Pausen und von Offenheit, die auch  Misserfolge, Fehler und Irrwege thematisierte. Wie schon bei den anderen Tagungen von XPBund wurde auch hier wieder ausgiebig die Möglichkeit zur Vernetzung und Kommunikation genutzt: "durch die vielen Projekte und deren engagierte Mitarbeiter habe ich viele Anregungen aufgreifen können und auch wieder neue Mitstreiter kennengelernt" (E-Mail-Feedback eines Teilnehmenden). Die erste Durchsicht der Feedback-Bögen ergab, dass Viele mit hoher Motivation nach Hause gehen, um sich noch intensiver mit dem Themenkomplex Verstetigung und Transfer im Projekt zu beschäftigen. Thomas Becker, Programmkoordinator im BMAS, zeigte sich ebenfalls hoch zufrieden über die Veranstaltung: "Dank XENOS Panorama Bund ist es gelungen, die Notwendigkeit der Entwicklung von Verstetigungs- und Transferstrategien in den Köpfen und in der Projektpraxis zu verankern". Das Team von XENOS Panorama Bund bedankt sich herzlich bei allen Vortragenden über die hervorragenden Präsentationen des jeweiligen Projektgeschehens und der Zwischenergebnisse. Sie wurden häufig im Team entwickelt , um die Arbeit (viel-)stimmig wiederzugeben und, wie vom Veranstalter gewünscht, realistische Einblicke in die alltägliche Arbeit wie auch in die strategischen Überlegungen zu gestatten.

Kurzzusammenfassung der Tagung:
Am 2.12., dem ersten Tag der Veranstaltung in Essen boten fünf Vorträge verschiedener Projekte Einblicke in Erfolg versprechende Ansätze zu Verstetigung und Transfer in Strukturen. Zuvor fasste Dr. Birgit Reißig vom Deutschen Jugendinstitut die Ergebnisse der zweiten Online-Befragung zum aktuellen Sachstand in puncto Verstetigung. Ralph Kersten vom Offenbacher Projekt BiBererklärte anschaulich und kurzweilig, wie es gelingt, konkrete Projektpraxis in Regelpraxis zu überführen: Das Thema „Übergang von der Schule in den Beruf“ wurden im Magistrat der Stadtverordnetenversammlung verankert und eine Kooperationsvereinbarung unter Beteiligung der zentralen Akteure abgeschlossen. Die regionale Koordination wurde außerdem im Rahmen der Landesstrategie OloV übernommen.

Andrea Petrlic und Irene Servant vom Berliner Projekt Sinti und Roma-Bildungsarbeit als Profession berichteten davon, wie sie Projektergebnisse zertifizieren wollen. Mit dem Ziel einer chancengleichen Teilhabe von Sinti und Roma an Bildung, Ausbildung und Beschäftigung strebt das Verbundprojekt die Zertifizierung von Qualifizierungsmaßnahmen zur Bildungs- und Schulmediation an. In Berlin wird darüber hinaus derzeit an einem Vorbereitungskurs zur Nicht-Schüler-Prüfung zum staatlich anerkannten Erzieher-Abschluss für bereits qualifizierte Mediatorinnen und Mediator gearbeitet.
Nach einer kurzen Pause folgten die Berichte zweier Projekte, die beide im Bereich Strafvollzug arbeiten.
Wie Kooperationen verstetigt werden können, ja, welche Prämissen und Gelingensbedingungen wichtig sind, erläuterte Wolfgang Wirth vom Düsseldorfer Projekt MACS. Seine langjährige Erfahrung in um mit Verwaltungen resultierte in von den Zuhörenden interessiert aufgenommenen und über den eigenen Projektbereich hinaus übertragbaren  "Ratschlägen" für die Projekte. Silke Faubel vom Berliner Projekt Transit ging darauf ein, wie strukturelle Verbesserungen im Übergangsmanagement von Berliner Haftanstalten selbst von einem "externen" Projekt erreicht und verstetigt werden können. Jörg Renner und Peter Krumpholz vom Projekt KIBA provozierten mit ihren Thesen zum Transfer von Projektergebnissen lebhafte Diskussionen. Da Projektprodukte in der Regel in spezifischen Prozessen entstehen, seien diese nicht mehr eins zu eins übertragbar. Eine Übertragung bedürfe immer besonderer Abstimmungen und Anpassungen zwischen Angebots-Gebern und -Nehmern.

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Michael Steinbach, XENOS Panorama Bund (f-bb). Im Mittelpunkt seines Beitrags stand die Frage, inwieweit – und in welchem Umfang – einzelne Ansätze und Angebote erfolgreicher XENOS-Ansätze zur Ausbildungs-und Arbeitsmarktintegration auch mit Instrumenten des SGB II und SGB III umgesetzt werden könnten. Aus den Erkenntnissen der XENOS-Praxis entwickelte XPBund fünf beispielhafte Fördermodelle („Protoypen“) mit Beschreibung des Finanzierungsbedarfs und Vorschlägen zur Finanzierung. Ziel ist, Arbeitsagenturen und Jobcenter erfolgreiche XENOS-Ansätze vorzustellen und zur Erprobung neuer Wege anzuregen. In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Qualität der Umsetzung für den Erfolg der Unterstützungs- und Integrationsangebote ausschlaggebend ist. Betont wurde außerdem, dass das Potenzial der Prototypen darin liegt, einzelne (Teil-)Angebote, kaum aber XENOS-Projekte in ihrer Gesamtheit zu verstetigen.

Anschließend ging es vormittags zu vier, nachmittags zu drei verschiedenen Foren zu den 7 Verstetigungsstrategien mit weiteren substantiellen Präsentationen der Projekte und fachkundigen Gesprächsbeiträgen der Teilnehmenden.

Im Forum 1 "Kooperation mit Unternehmen" präsentierten die Projekte Match! (Sascha Eckerle), Hürdenspringer+ (Stefanie Corogil), Brücken für Vielfalt und Beschäftigung in MV (Jürgen Brandt und Wolfgang Schröder) ihre Erkenntnisse.
Forum 2  beschäftigte sich mit dem "Transfer von Projektergebnissen in neue Bereiche": Geladen waren die Projekte Perspektivwechsel (Dominik Donges) und  Ausbildungsmanagement Augsburg (Knut Wuhler) & BiBer (Dr. Bernd Curtius); zur Diskussion geladen: Jörg Renner (KIBA)
Der "Aufbau von Sozialen Unternehmen und Zweckbetrieben" war das Thema des Forum 3:  SoJung (Heike Birkhölzer) und JobsConnectEurope (Hermann Teiner und Marc Rischke) stellten die jeweiligen Ausgründungen vor.
Forum 4 befasste sich mit "Organisationsveränderung": Die Projekte Option Kultur (Sabine Fischer) & IKIP (Alexander Scheitza), KIBA (Manfred Zimmermann), Der Vielfalt gerecht werden (Jenny Howald); zur Diskussion geladen: Silke Faubel (Transit) teilten ihren reichen Erfahrungsschatz mit den Anwesenden.

Am Nachmittag stellten im Forum 5 "Kooperation in und mit Verwaltungen" die Projekte iTools/BIN (XENOS-Programme I&V und Bleiberecht, Udo Casper und Martina Rothgänger) und Bildungsberatung Kiel (Moritz Lorenzen) ihre Erfahrungen und die daraus gewonnenen Strategien vor; zur Diskussion geladen: Wolfgang Wirth/ (MACS)
Das Forum 6 widmete sich der "Zertifizierung und Gütesiegel" mit Beiträgen von denProjekten Transit (Christiane Kurz) und Doppelpass Schule-Beruf (Simone Born); zur Diskussion geladen: Irène Servant (Sinti und Roma Bildungsarbeit)
Last but not least beschäftigten sich im am meisten nachgefragten Forum 7 die Projekte QM Initiative (Peter Dohmen& Anne Davids) und Erfurt (Cornelia Rost), KIBA (Dr. Heidi Oberndorf), BiBer ( Astrid Braun-Hubert), Ninja (Angelika Funk) mit der spannenden Thematik: "Von Projektpraxis zu Regelpraxis".
Regelförderung über SGB II und III sei eine Option, jedoch nicht der alleinige Königsweg für Projekte, hieß es in der Diskussion. Die Teilnehmer tauschten sich auch über andere Verstetigungsformen aus, etwa über die Zusammenarbeit mit Stiftungen und andere Kooperationsformen. Thomas Becker vom BMAS zeigte sich in seinem Schlußwort hoch erfreut von der hohen Qualität der Tagung und von den Einblicken in die Projekt-Werkstätten sowie vom angeregten und informativen Austausch. 

Die Dokumentation der Tagung mit allen Vorträgen finden Sie hier.
Download Programm der Tagung.

alle Fotos: Elke Biester, CONVIS Consult & Marketing GmbH

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Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.