Ernüchternde Bilanz beim Gender Mainstreaming in XENOS-Projekten

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) befragte in seiner Funktion als wissenschaftliche Begleitung des Programms XENOS-Integration und Vielfalt 258 Projektträger zu den Ansätzen in der Gleichstellung. Die Ergebnisse im Kurzbericht „Alles Gender – oder was? vom Februar 2014 fallen ernüchternd aus. Obwohl die Gleichstellung von Frauen und Männern im Bundesprogramm einen hohen Stellenwert einnimmt und die Projekte bereits bei Antragstellung ihre Gender-Mainstreaming-Strategie und den Beitrag des Projekts zur Gleichstellung von Frauen und Männern formulieren mussten, ist in der Realität davon wenig spürbar:

„Von einer durchgängigen Anwendung von Gender-Mainstreaming im XENOS-Programm ist man weit entfernt“, so Ulrike Richter, Verfasserin des Berichts. Es würden zwar hohe Anforderungen an die Gender-Kompetenz des Projektpersonals gestellt, diese fände sich aber in der Projektarbeit nur unzureichend wider.
In der Befragung wurde nach den Gleichstellungszielen in den Projekten, der geschlechtersensiblen Berücksichtigung der Zielgruppe, der geschlechtersensiblen Ausrichtung der Angebote und nach den Genderaspekten in den Organisationen gefragt.

Individuelle Problemlagen versus struktureller Diskriminierung
Bei der Formulierung von Gleichstellungszielen tun sich die Projekte (noch) nicht schwer, zumal sich der größte Teil der Angebote an Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gleichermaßen richtet (Ausnahme hiervon sind vor allem Projekte im Strafvollzug). Allerdings wird konzeptionell kaum auf geschlechtsspezifische Bedürfnisse eingegangen und auch nur jedes dritte Angebot ist gendersensibel ausgestaltet. Ein Viertel der Projekte gibt sogar an, dass die an die jeweiligen Zielgruppen vermittelten Inhalte keine Genderaspekte aufweisen.
 

 

 

 

 

 

 

Die Bedeutung indirekter bzw. struktureller Diskriminierung scheint noch nicht so ganz in den Köpfen der Beteiligten angekommen zu sein. Dies wird insofern deutlich, als die Träger mehrheitlich darauf verweisen, dass sie mit ihren Angeboten stark auf die individuellen Problemlagen ihrer Adressatengruppen eingehen.
Die Autorin hält es daher für notwendig, dass die XENOS-Projekte noch erheblich stärker als bisher „Verhaltensmuster, Modelle, Verteilungen nicht als gegeben hinnehmen, sondern diese nach den Gründen analysieren und Lösungen anbieten“ sollten. Es sei ebenso notwendig, das Geschlecht als soziale Kategorie in der Projektarbeit zu verankern als auch den Begriff der Gender-Kompetenz mit konkretem Handeln zu füllen.

Download von Ulrike Richter: „Alles Gender – oder was? Der Beitrag zur Gleichstellung von Frauen und Männern der Projekte der 2. Förderrunde im Programm „XENOS – Integration und Vielfalt“, Kurzbericht der wissenschaftlichen Begleitung, Februar 2014

 

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Europäischer Sozialfonds Bundesministerium für Arbeit und Soziales Europäische Union

Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.