Gesellschaftliche Re-Integration durch das Herstellen von individueller Beschäftigungsfähigkeit bei extremistisch gefährdeten, gewaltaffinen jungen Menschen

Die Reintegration extremistisch gefährdeter Jugendlicher in Gesellschaft und Arbeit soll einhergehen mit der Kompetenzerweiterung und bedarfsbezogenen Qualifizierung von Akteurinnen und Akteuren im Strafvollzug und der ambulanten Hilfe.


Das Projekt

           
  Projektname: Gesellschaftliche Re-Integration durch das Herstellen von individueller Beschäftigungsfähigkeit bei extremistisch gefährdeten, gewaltaffinen jungen Menschen  

 
  Projektträger: Violence Prevention Network e.V.
Alt-Moabit 73
10555 Berlin
   
  Lernort:
Jugendsozialarbeit, Jugendberufshilfe und Jugendstrafvollzugsanstalten    
  Umsetzungsort:
Jugendvollzugsanstalten Raßnitz (Sachsen-Anhalt), Regis-Breitingen (Sachsen), Ichtershausen (Thüringen), Hameln (Niedersachsen), Plötzensee (Berlin) und Hahnöfersand (Hamburg)    
  Kernaktivitäten: Berufsorientierung, Übergangsmanagement, Bildungsarbeit    
  Zielgruppen: Jugendliche Gewaltstraftäter/-innen mit rechtsextremen Haltungen    
  Laufzeit: 01.03.2012 – 31.12.2013    


Über das Projekt

Beschreibung

Wer am Trainingsprogramm von Violence Prevention Network teilnimmt, ist aus Hass gewalttätig geworden oder auffällig im Feindbilddenken verfangen.

Kurzzeitpädagogische, verhaltenskonditionierende Maßnahmen greifen hier nicht. Den Rückfall in alte Verhaltensmuster verhindern nur stabile Beziehungen und der Transfer von Lernerfolgen in den Lebensalltag nach der Entlassung.

Das Training
Das Kernstück des Programms stellten die ca. 5-monatigen Trainingseinheiten dar, die von je zwei Trainer/-innen in einer Gruppe mit max. acht Teilnehmenden durchgeführt wurden. Es umfasste in der Regel 23 Trainingseinheiten und fand wöchentlich innerhalb der Haftanstalt statt.

Haftentlassungsvorbereitung
Mit dem Herannahen des Entlassungstermins konzentrierte sich die Gruppe darauf, die nahe Zukunft vorzubereiten, den bevorstehenden Alltag zu planen und die initiierte Verhaltensänderung zu stabilisieren. Die Jugendlichen thematisierten ihre Zukunftsaussichten, sprachen über ihre Ziele und Ängste. Zu diesem Zeitpunkt war es für die Teilnehmenden wichtig, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und ihre Möglichkeiten und Grenzen realistisch einzuschätzen. Es galt zu klären, welche Risiken „draußen“ auf sie warten würden und was bei ihrer Rückkehr in alte soziale Bezüge geschehen könnte.

Stabilisierungscoaching
Die optionale Betreuung nach der Entlassung stellte eine unverzichtbare Fortsetzung des Trainings dar, um die neu erlernten Konfliktlösungsstrategien im Alltag zu verankern. Während des Stabilisierungscoachings standen den Jugendlichen ihre bisherigen Trainer/-innen als Vertrauenspersonen zur Verfügung und suchten sie regelmäßig vor Ort auf. Bei Problemen und in Krisensituationen waren sie schnell und unkompliziert verfügbar.

Eine zentrale Rolle nahm dabei die Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ein. Ergänzend konnten die Trainer/-innen den Jugendlichen auch bei der Strukturierung des Tages- und Wochenablaufs, bei der Absicherung des Lebensunterhalts und bei der Wohnungssuche zur Seite stehen.


Ziele

Unser Projektziel war es, junge Menschen in Arbeit und Gesellschaft zu integrieren und sie dabei zu unterstützen, Abstand zu extremistischen Haltungen zu gewinnen.

Methoden

  • Wissensvermittlung
  • Erfahrungsorientiertes Lernen
  • Biografiearbeit
  • Coaching
  • Niedrigschwellige Beratung
  • Kompetenzfeststellung
  • Aufsuchende Arbeit

Angebote

Beschreibung des Angebots:

  • Angebot von Fort- und Weiterbildungen zu einzelnen Trainingsbausteinen
  • Qualifizierung zum/zur Antigewalt- und Kompetenztrainer/-in (AKT®)

Art des Angebots:

  • Informations-/ Beratungsstelle
  • Aus-/ Weiterbildungsangebot

Zielgruppen der Angebote:

  • Lehrkräfte

Projektergebnisse

Produkte

Beschreibung des Produkts:

  • Broschüre über das Trainingsprogramm für ideologisierte Gewalttäter im Strafvollzug und nach der Entlassung
  • Film über das Training (in Produktion)

http://www.violence-prevention-network.de/publikationen/projektbroschuerenflyer

Art des Produkts:

  • Lehr-/Lernmaterial
  • Qualifizierungsmodul
  • Leitfaden
  • Informationsmaterial

Zielgruppen der Produkte:

  • Lehrkräfte
  • Öffentliche Verwaltungen

Erfolge

Die extern und intern durchgeführten Evaluationen, die obligatorischer Bestandteil einer umfassenden Projektumsetzung sind, bescheinigten uns eine effektive und qualitativ hochwertige Projektarbeit. PHINEO, ein unabhängiges, gemeinnütziges Analyse- und Beratungshaus für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement, hat Violence Prevention Network e.V. und dem Programm am 2. September 2013 in Berlin das „Wirkt!-Siegel“ verliehen. Geprüft wurden 23 Organisationen, die sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus und für Demokratie in der Bundesrepublik engagierten. Hinsichtlich des Wirkpotentials des Programms ist Violence Prevention Network e.V. als einzige Organisation von insgesamt 17 prämierten NGOs in allen Kategorien als herausragend bewertet worden.

Die Re-Inhaftierungsquote der Trainingsteilnehmenden liegt zudem deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt: Werden 41,5 Prozent der besagten Personengruppe re-inhaftiert, sind es bei den Teilnehmern des Trägers Violence Prevention Network „nur“ 13,3 Prozent.

Netzwerke

Beschreibung des Netzwerkes:

Der Netzwerkgedanke, den Violence Prevention Network bereits im Namen trägt, bleibt ein Querschnittsziel unserer Tätigkeit. Seit Beginn der Arbeit 2001 im Bundesland Brandenburg wurde die Zusammenarbeit mit (Justiz- und Sicherheits-)Behörden und Institutionen kontinuierlich ausgebaut, sodass VPN heute über eine exzellente Vernetzung verfügt.

Ausgehend von Grundüberzeugungen in Menschenbild und pädagogischer Haltung sind wir davon überzeugt, dass sich die unterschiedlichen Ausgangslagen und Bedarfe der Klientinnen und Klienten am besten multiperspektivisch bearbeiten lassen. Den Netzwerkgedanken ernst zu nehmen, heißt, sich den Gegenständen interdisziplinär zu nähern, im Austausch und in der Auseinandersetzung voneinander zu lernen, um den Klientinnen und Klienten in ihrer Vielfältigkeit und ihren Widersprüchen gerecht zu werden. Nach unserem Verständnis dient der Aufbau von Vernetzung und Kooperation nicht einem Selbstzweck, sondern ist vielmehr eine Selbstverständlichkeit zielorientierter und wirksamer Deradikalisierungsarbeit.

Deshalb arbeitet VPN seit Jahren mit dem BMFSFJ, BMI, BMJ, BMAS und den Justiz- und Innenministerien der Länder sowie den Sicherheitsbehörden zusammen. Weitere nationale Partner sind der Zentralrat der Muslime in Deutschland, das Deutsche Forum für Kriminalprävention, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie mehrere bundesdeutsche Universitäten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft. Nicht zuletzt sind die zentralen Kooperationspartner die Vollzugsanstalten und nationalen NGOs im Bereich Prävention und Intervention.

http://www.violence-prevention-network.de/ansaetze/internationale-vernetzung

Art des Netzwerkes:

  • Netzwerk

Zielgruppe der Netzwerke:

  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Lehrkräfte
  • Öffentliche Verwaltungen

Verstetigung und Transfer

Die Verstetigungsbemühungen für eine Weiterführung des Projekts werden gegenwärtig umgesetzt (Stand Februar 2015).

Kontakt

  Violence Prevention Network e.V.
Alt-Moabit 73
10555 Berlin

Ansprechpartner/-in:
Franziska Kreller
030 91705464
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http://www.violence-prevention-network.de/
 
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Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.