winterREISE - HipHopOperFilmTheater im Jugendknast

Erfahrene Künstler/-innen arbeiteten mit inhaftierten jugendlichen Straftätern zusammen, um auf der Basis von Schuberts Liedzyklus "Winterreise" im Dreimonatsrhythmus ein Lied, einen Kurzfilm oder ein Theaterstück zu erarbeiten. Ziel war es durch Vermittlung von Medien- und Sozialkompetenzen die Chancen auf (Wieder-) Eingliederung in Gesellschaft und Berufsleben zu erhöhen.

Das Projekt

           
  Projektname: winterREISE - HipHopOperFilmTheater im Jugendknast  

 
  Projektträger: aufBruch GbR
Pappelallee 7
10437 Berlin
   
  Lernort:
Jugendsozialarbeit, Jugendberufshilfe und Jugendstrafvollzugsanstalt    
  Umsetzungsort:
Berlin    
  Kernaktivitäten: Berufsorientierung, Bildungsarbeit, interkultureller Austausch, Andere    
  Zielgruppen: Schüler/-innen, Strafgefangene, Menschen mit Migrationshintergrund, Arbeitslose    
  Laufzeit: 01.01.2012 - 31.12.2014    
         


Über das Projekt

Beschreibung

Über einen Zeitraum von drei Jahren beschäftigten sich mehr als 230 inhaftierte jugendliche männliche Strafgefangene in der Jugendstrafanstalt Berlin mit Franz Schuberts romantischem Liederzyklus "Winterreise“. Unter Anleitung von Berufsmusiker/-innen, Songwriter/-innen, Tänzer/-innen, Dramaturg/-innen, Theater- und Filmemacher/-innen konfrontierten und bearbeiteten sie dieses Werk der klassischen Musik mit Rap und HipHop und inszenierten es neu. Franz Schubert verarbeitete 1827 in seiner "Winterreise" Themen wie Trennung, Trauer, Einsamkeit, Abschied, Ausgrenzung, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Hass, Hoffnung auf Freiheit, Heimatsehnsucht, Stolz und Kränkung – Aspekte, die auf aktuelle Diskriminierungs- oder Migrationserfahrungen zutreffen, einen starken Jugendbezug aufweisen und in zahlreichen zeitgenössischen Rapsongs thematisiert werden. Da unter jugendlichen Strafgefangenen häufig eine Affinität zur HipHop-Kultur besteht und die kreative Industrie auch Menschen mit gebrochenen Bildungsbiographien Chancen bieten kann, verfügte das Projekt über ein hohes Attraktivitätspotential, das die Jugendlichen zu persönlichem Engagement und Projektteilnahme motivierte. Indem die HipHop-Kultur mit der deutschen Hochkultur (Schubert) in ihrer klassischen Form kombiniert wird, wurden die Perspektiven der jugendlichen Inhaftierten im interkulturellen Kontext erweitert.

Ziele

Praxisorientierte Berufsfeldorientierung:

  • Erweiterung interkultureller Perspektiven
  • Stärkung von sozialen und persönlichen Basiskompetenzen
  • Erlernen von Strategien zur Bewältigung von Leistungsanforderungen und Konfliktsituationen

Methoden

  • Wissensvermittlung
  • Kreative Methoden
  • Erfahrungsorientiertes Lernen
  • Biografiearbeit
  • Interkulturelles Training
  • Coaching
  • Niedrigschwellige Beratung
  • Kompetenzfeststellung

Angebote

Art des Angebots:

  • Aktivierungsangebot
  • Aus- und Weiterbildungsangebot
  • Andere

Zielgruppen der Angebote:

  • Schüler/-innen
  • Strafgefangene
  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Arbeitslose

Beschreibung der Angebote:
Angeboten wurden kreativ-künstlerische Workshops für Strafvollzugsanstalten (Konzeption, Durchführung, Anleitung).

Projektergebnisse

Produkte

Art des Produkts:

  • Lehr- und Lernmaterial
  • Informationsmaterial
  • Lehr- und Werbefilm
  • Andere

Zielgruppen der Produkte:

  • Lehrkräfte
  • Öffentliche Verwaltungen
  • Andere

Beschreibung der Produkte:

Theaterproduktionen: (jeweils 6 öffentliche Theatervorstellungen)

Filmproduktionen:

Musikproduktionen: (teilöffentliches Konzert, CD, CD-Booklet)

  • Artikel 5 "Gute Nacht"
  • F.O.D.40 "Die Krähe"
  • Geschlossene Gesellschaft "Der greise Kopf"
  • RAParatur: "Wegweiser" - "Letzte Hoffnung" - "Irrlicht"

Im Rahmen des Projektes wurde eine eigene Homepage erstellt, die auch als Projektarchiv dient. Zum Jahresende ist zudem eine Projektbroschüre geplant, in der Inhalt, Ziele und Ergebnisse der "winterREISE" ausführlich erläutert werden.

Erfolge

Seit Projektbeginn vor knapp 3 Jahren haben mehr als 230 Inhaftierte am Projekt teilgenommen, 130 von ihnen haben das Projekt erfolgreich absolviert. Sie realisierten eigenverantwortlich professionelle Theater-, Musik- oder Filmproduktionen, in denen sie persönliche Lernerfolge und messbare Arbeitsergebnisse erzielten. Hierbei wurde an den Persönlichkeits- und Leistungsstrukturen der Jugendlichen angesetzt und ihre Interessenslagen und Stärken berücksichtigt. Die Biographien der meisten inhaftierten Jugendlichen sind geprägt von mangelndem sozialem Verhalten. Indem sie ein oder mehrere Module absolvierten bewiesen viele Teilnehmer zum ersten Mal, dass sie Durchhaltevermögen und Disziplin besitzen. Motiviert wurden sie dabei nicht nur durch Dozent/-innen und Gruppenleiter/-innen der JSA, sondern durch das äußerst wichtige Gefühl der Bestätigung - vor sich selbst und der Familie - etwas „erfolgreich“ absolviert zu haben. Dies wiederum stärkte das Selbstwertgefühl/-vertrauen und die Selbstsicherheit der jungen Männer. Die diffusen und teils realitätsfernen Vorstellungen und Vorurteile der Jugendlichen über ihre Leistungsfähigkeit und Chancen auf dem Arbeitsmarkt wurden während der Modularbeit durch praxisnahe und sie ansprechende Arbeitserlebnisse ersetzt. Sie erhielten einen realen Einblick in mögliche Arbeitsfelder, ihre individuellen Stärken und Schwächen und entwickelten konkrete eigene Zukunftsvorstellungen. Gleichzeitig eigneten sich die Teilnehmer grundsätzliches "Handwerkszeug" und Wissen im jeweiligen Schwerpunkt an und sind in der Lage, anhand dieser Kenntnisse weitere praktische Kenntnisse zu erwerben. Daneben wurden den Jugendlichen auch Orientierungsangebote zum Übergangsmanagement vermittelt:

  • Was für Möglichkeiten der weiteren künstlerischen Betätigung gibt es nach der Entlassung?
  • Wer sind die Partner?
  • Welche Angebote gibt es?

So wurden bereits während des Projektes in Haft die Grundsteine für langfristige Bindungen außerhalb des Gefängnisses gelegt.

Netzwerke

Beschreibung des Netzwerkes:

  • Zusammenarbeit mit Außenproduktionen von aufBruch sowie Projekten von Gangway
  • Zusammenarbeit mit Dozenten und Künstlern: Konzeptionierung weiterer eigenverantwortlich kultureller Bildungsangebote im Strafvollzug

Art des Netzwerkes

  • Andere

Zielgruppe des Netzwerkes

  • Schüler/-innen
  • Strafgefangene
  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Arbeitslose
  • Andere

Verstetigung und Transfer

  • Etablierung künstlerisch-kultureller Workshops im Behandlungskonzept der JSA Berlin (über Projektlaufzeit hinaus)
  • Kooperation mit externen Trägern zur Übertragung der Projektergebnisse
  • Präsentation der Ergebnisse in Fachtagungen, Symposien, Kongressen etc.
  • Gezielte Öffentlichkeitsarbeit und professioneller Erfahrungsaustausch zum Abbau von Vorurteilen
  • Fortführung kreativer Workshops in der Resozialisierung straffälliger Jugendlicher über die JSA hinaus
  • Zielorientiertes Übergangsmanagement zu externen Trägern von Theater- und HipHop-Projekten (Gangway, aufBruch)
  • Angestrebt wurde der Transfer der Erfahrungen mit Hilfe von Leitfäden und filmischer Dokumentationen

Kontakt

  aufBruch GbR
Pappelallee 7
10437 Berlin

Ansprechpartner/-in:
Sibylle Arndt
030-44049700
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www.winterreise.gefaengnistheater.de
 
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