Vielfalt verstehen, Diskriminierungen erkennen – warum Diversity für Anwälte und Anwältinnen wichtig ist

Das Projekt „Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt“ am Deutschen Institut für Menschenrechte

In diesen Tagen wird der „azur Award“ für Diversity vergeben. Der Preis zeichnet Kanzleien aus, die als Arbeitgeber Vielfalt aktiv fördern. Geprüft wird etwa, wie sie mit den unterschiedlichen Lebensentwürfen und Bedürfnissen der Mitarbeitenden umgehen, und ob auf dem Karriereweg echte Chancengleichheit besteht – unabhängig von zum Beispiel Geschlechtsidentität, familiärer Situation, Migrationshintergrund oder sexueller Orientierung. Diversity-fördernde Kanzleien auszuzeichnen und damit sichtbar zu machen, ist wichtig - denn in der Anwaltschaft gibt es heutzutage wenig Bewusstsein über die Vielfalt und Unterschiedlichkeiten von Menschen und die damit immer noch verbundenen gesellschaftlichen Machtverhältnisse und Chancenungleichheiten. Auch das XENOS-Projekt „Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt“ am Deutschen Institut für Menschenrechte widmet sich der Sensibilisierung und Kompetenzbildung der Anwaltschaft. Ziel des Projekts ist es, Fortbildungen in Diversity- und interkultureller Kompetenz sowie zu Menschenrechten zu entwickeln und anzubieten.

„Die Gesellschaft wird diverser, Rollenbilder und Wertevorstellungen ändern sich“, sagt Aliyeh Yegane Arani, Projektmitarbeiterin und Diversity-Trainerin. Vielfältige Familienmodelle, unterschiedliche weltanschauliche und religiöse Vorstellungen oder die Inklusion von Menschen mit Behinderung würden zunehmend wichtige Faktoren in der Arbeitswelt – und damit auch in der Rechtspflege. „Anwaltskanzleien müssen sich auf veränderte Ansprüche und Bedürfnisse der Mitarbeitenden einstellen“, sagt Yegane Arani. Ein Modul der Diversity-Fortbildungen, die das Projekt ausrichtet, befasst sich denn auch mit dem Thema gesellschaftliche Vielfalt in Kanzleimanagement und Mandantenakquise.

Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen haben auch mit einer diversen Mandantschaft zu tun. Ihre Mandanten und Mandantinnen unterscheiden sich zum Beispiel hinsichtlich Herkunft, Alter, Geschlecht, Religion und Weltanschauung. Ein professioneller und wertschätzender Umgang mit Diversity ist vor diesem Hintergrund eine Schlüsselqualifikation, um eine vertrauensvolle Beziehung mit der Mandantschaft eingehen und sie angemessen beraten und vertreten zu können. „Heutzutage lernen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte weder in der juristischen Grundausbildung noch später in der anwaltlichen Fortbildung, wie sie die unterschiedlichen Bedürfnisse oder kulturellen Hintergründe ihrer Mandantschaft erkennen und diese bei der Beratung und Vertretung vor Gericht berücksichtigen können“, sagt die Projektleiterin und Juristin Nina Althoff. Ein weiteres Seminarmodul führt deshalb in die Grundlagen von Diversity-Kompetenz ein und schärft das Bewusstsein für Diskriminierungen und Zugangsbarrieren in der Justiz. Denn Diskriminierungen sind für viele Menschen alltägliche Realität, ob im Arbeitsleben, in der Freizeit oder im Bildungs- und Wohnungssektor. Frauen mit Kopftuch zum Beispiel werden bei der Arbeitssuche häufig benachteiligt, selbst wenn sie beste Qualifikationen mitbringen. „Um Betroffenen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewährleisten, braucht es eine Diversity-kompetente Anwaltschaft, die Diskriminierungen erkennt und weiß, wie man dagegen klagen kann“, sagt Althoff.

Auch im dritten Projektjahr finden Diversity-Seminare sowie Seminar zum Menschenrechtsbasierten Diskriminierungsschutz statt. Die zumeist eintägigen Fortbildungen richten sich an die Anwaltschaft, an Referendare und Referendarinnen sowie an Mitarbeitende von Selbstorganisationen, die juristisch tätig sind. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, die Fortbildungen in die Curricula der juristischen Bildungsträger aufzunehmen. Das Projekt stützt sich auf Kooperationspartner wie das Deutsche Anwaltsinstitut (DAI), den Deutschen Anwaltverein (DAV) und die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK).

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier: www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/projekt-anwaltschaft-fuer-menschenrechte-und-vielfalt.html
Paola Carega, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Projekt „Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt“

 

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Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.