1.4.2 Führen ohne Weisungsbefugnis

Führen ohne Weisungsbefugnis, auch als laterales Führen bekannt, ist im Rahmen von Projektverbünden mit unabhängigen Partnern die Regel und kommt auch in Projekten selbst vor. Es müssen Ergebnisse erreicht, Aufgaben verteilt und Arbeitspakete koordiniert werden, ohne dass der/die Projektleiter/-in disziplinarische Vorgesetzte der Projektmitarbeiter/-innen und Projektpartner/-innen ist.

Laterale Führer wirken auf andere, damit diese in eine gewünschte Richtung handeln, zu der sie nicht ohne weiteres bereit sind. Die drei Steuerprinzipien sind: Macht, Verständigung, Vertrauen.

Macht ist Teil jeder Beziehung. In Machtbeziehungen werden Handlungsmöglichkeiten getauscht, so hat auch der vermeintlich Machtlose ein Interesse an der Aufrechterhaltung der Beziehung. Macht stützt sich auf die Kontrolle von „Unsicherheitszonen“   

Der laterale Führer analysiert die Machtverhältnisse und weiß, welche Unsicherheitszone die Akteure beherrschen. Machtspiele können den Prozess voran bringen, sie können auch blockieren. So können Konflikte in Workshops über die Wahl der Methoden geöffnet und „Tauschbörsen“ gefördert werden, indem der Moderator einlädt, über bestimmte Themen zu sprechen. Ebenso verändern neue „MitspielerInnen“ das Spiel

Vertrauen entgegenzubringen entspricht einem schwer kalkulierbaren Risiko, denn es gibt keine fixierte Vereinbarung über Leistung und Gegenleistung. Je häufiger ein Vertrauensvorschuss von einer Seite erwidert wird durch einen Vertrauensvorschuss der anderen Seite, desto wahrscheinlicher wird der Aufbau eines langfristigen Vertrauensverhältnisses. Es kann sinnvoll sein, Verhaltensregeln zu Beginn der Kooperation strenger abzusprechen und bei mehr Vertrauen wieder zu lockern. Zum Ausbalancieren, ob eine Vertrauensbeziehung möglich ist, bieten sich „Vorkriegsschauplätze“ an. Man „testet“ abseits des Hauptverhandlungsfelds z.B. über Regeln der Zusammenarbeit (Absagen, Information an Verbund über relevante Veränderungen in der eigenen Organisation o.ä.). Der ‚Laterale Führer‘ kann sich auch entscheiden, Einblick in die Zwänge einzelner Akteure zu geben. So zeigt sich eine scheinbar gering zu schätzende Handlung im Tauschgeschäft als ein „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ großes Zugeständnis.
Vertrauen baut sich langsam auf, andererseits reicht schon ein kleines Anzeichen für einen Vertrauensmissbrauch und die Vertrauensbeziehung ist beendet.              

Verständigung öffnet verfestigte Denkweisen. Gruppen neigen zum Festhalten an bewährten Erklärungsmustern, sie werden nicht mehr hinterfragt. Ihre Gefährdung wird als Bedrohung erlebt und erzeugt Widerstand. Dieser Abwehrmechanismus blockiert neuartige, bessere Lösungen und kann vom Moderator und lateralen Führer versucht werden aufzulösen. Dies ist möglich mittels Fragen, die die Lage verfremden „Angenommen wir hätten dreimal mehr Geld zur Verfügung, was würden wir damit machen?“ oder das explizite und gemeinsame Überprüfen von Grundannahmen der Organisationen.                                   

Zusammenfassung des Textes: Kühl, Stefan; Schnelle, Wolfgang. Laterales Führen. Wenn Hierarchien nur begrenzt zur Verfügung stehen. In: Aderhold, Meyer, Wetzel (Hrsg.). Modernes Netzwerkmanagement. Anforderungen, Methoden, Anwendungsfelder. Gabal (2005). S. 185-212.

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