1.4.1. Methode: Sich professionell "kümmern"

Projektintern, mit Projektverbund-Partner/-innen sowie im erweiterten Kreis der Kooperationspartner/-innen gilt eine gute Zusammenarbeit als Erfolgskriterium für das Projekt.

Der/die Projektkoordinator/-in als „Kümmerer“ fördert den Prozess und bringt dafür eine spezifische Haltung mit.

In ihrer Rolle als „Kümmerer“ sind sie herausgehoben aus der Masse der Kooperationspartner. Sie sind „allparteilich“, d.h. sie gehen auf Distanz zu Interessen, Sprachen, Logiken der verschiedenen Herkunftsbereiche. Sie bewegen sich „in zurückhaltender Interaktion im Netz“.                    
Zwar an die gemeinsame Zieldefinition der Kooperation gebunden, vertreten sie auch die Projektziele (entsprechend des geldgebenden Programmzwecks).
Angestrebt wird der Konsens als netzwerktypischer Entscheidungsmechanismus. Da Konsens die Dynamik einschränkt und ggf. Innovation verhindert, agiert der „Kümmerer“ situativ nach den widersprüchlichen Zielstellungen
a) durch Konsens die Stabilität der Kooperation zu stützen und
b) durch Auseinandersetzung die Dynamik voranzubringen.

Im Folgenden werden die Aufgaben eines „Kümmerers“ aufgeführt:

Diskussionen anstoßen, die sonst vermieden würden, auch gegen Widerstand und Tabus (produktive Verunsicherung) z.B. Feedbackrunde anleiten zur Wahrnehmung der Zusammenarbeit.
Strukturieren und ordnen: Zwischenzusammenfassungen und Einhalten getroffener Vereinbarungen einfordern bzw. selbst erstellen.
„Blinde Flecken“ (Fach-/Wissensdefizite) erkennen, benennen und für deren Bearbeitung sorgen.
Prozesse aufrechterhalten durch situatives Agieren: z.B. in belastenden, konflikthaften Phasen für „gute Stimmung“ sorgen und in euphorischen Phasen der Einigkeit bremsend und kritisch entgegen treten (Gefahr von group think). Dazu können auch Motivations- und Aufklärungsfunktionen gegenüber Akteuren gehören, z.B. die Wichtigkeit von Transfermöglichkeiten für die Umsetzung und Verbreitung der Ideen und Ergebnisse bei Kooperations-/Netzwerkpartnern wiederholt schärfen und belohnen.
Drängen auf Entscheidungen (werden häufig verschoben) und Aufgabenerfüllung bei Kooperationspartnern (z.B. Testen von Ergebnissen, Teilnahme an Veranstaltungen, Dokumenterstellung, Auseinandersetzung mit gesetzlichen Rahmenbedingungen).
Sorge tragen für die Protokollierung der Absprachen, Entscheidungen, Gesprächs-/Prozessverläufe zur Förderung der Transparenz kooperativer Netzwerkarbeit.
Förderung von Anschlussfähigkeit und Kommunikation durch Vermittlung und „Netzwerken“ (ansprechbar und hilfsbereit/ hilfreich sein, auf Veranstaltungen auch bei Partnern auftauchen, sehr gut informiert sein.

Jede Kooperation braucht „Kümmerer“, sonst verkümmert sie!

Quelle: Wöllert, Katrin und Jutzi, Katrin. Regionale Netzwerke. Zur besonderen Rolle von Intermediären. In: Aderhold, Meyer, Wetzel (Hrsg.). Modernes Netzwerkmanagement. Anforderungen, Methoden, Anwendungsfelder. Gabal (2005). S. 53-71.

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Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.