Transfertagung "Innovative Ansätze zur Fachkräftesicherung und interkulturellen Öffnung in der Gesundheitsbranche"

Plenum Transfertagung Innovative Ansätze

Dokumentation der Transfertagung "Innovative Ansätze zur Fachkräftesicherung und interkulturellen Öffnung in der Gesundheitsbranche - Vorstellung und Diskussion erfolgreicher Konzepte und Modelle von XENOS-Projekten" am 27.05.2014 in Köln

XENOS Panorama Bund entwickelte in reger und enger Zusammenarbeit mit fünf XENOS-Modellprojekten, die im Bereich Gesundheit und Pflege aktiv sind, ein Konzept für eine bundesweite Transfertagung, in deren Rahmen die innovativen Projektansätze vorgestellt, diskutiert und verbreitet werden sollten. Die Idee stieß auf breites Interesse: 130 Führungskräfte und Mitarbeitende der Gesundheits- und Pflegebranche, von Bildungsanbietern, Wohlfahrtsverbänden, Jobcentern, Arbeitsagenturen, Migrantenorgansiationen und aus der verschiedenen Bereichen der Politik fanden bei strömendem Regen den Weg nach Köln ins Maternushaus. Die Grußworte von Thomas Becker, XENOS-Programmverantwortlicher beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales und von Markus Leßmann, dem Leiter der Abteilung Pflege, Alter, demografische Entwicklung im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in NRW betonten einmal mehr, wie wichtig und sinnvoll die Arbeit der XENOS-Projekte sei. Deshalb dürften die wirksamen Ansätze, die Ideen, das Know-how und das Wissen der Projekte nicht verloren gehen.

Carsten Drude, BLGSKey-Note-Speaker Carsten Drude vom Bundesverband Lehrende Gesundheits-und Sozialberufe forderte eine bessere Durchlässigkeit in der Pflegeausbildung, die gleichermaßen die Akademisierung fördert, aber auch die Zugangschancen für geringer Qualifizierte erhöht und die generalistischer ausgerichtet sein sollte.

Klaus-Dieter Paul, u.bus GmbHKlaus-Dieter Paul vom Veranstalter XENOS Panorama Bund/ u.bus GmbH machte darauf aufmerksam, dass XENOS-Projekte immer auch Vorreiter sozialer Innovation sind und waren. Diese gälte es, neben dem Transfer guter Praxis, voranzutreiben und zu fördern.


Moderation Vera Krick, XPB/u.bus GmbHIn vier Foren hatten die Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit, sich über die einzelnen Schwerpunkte, Ansätze und transferfähigen Produkte der Projekte zu informieren, eigene Erfahrungen einzubringen und mit anderen Teilnehmenden zu diskutieren. Da auch die Möglichkeit bestand, sich über die Themen in den anderen Foren fachkundig zu machen, gelang es, einen guten Überblick zu den guten Lösungen aus der XENOS Praxis zu gewinnen. Die abschließende Runde mit den Geschäftsführenden und Projektleitungen sowie der XENOS-Programmkoordination führte nochmals zu regem Austausch. Neben vielen positiven Rückmeldungen zur "sehr gelungenen Tagung", "vielen inhaltsreichen und informativen Diskussionen", der "angenehmen Atmosphäre und hervorragenden Organisation", dem "leckeren Essen", wurde die Forderung nach mehr Kontinuität und Unterstützung laut: "Mit der Pflästerchenpolitik ist es nicht getan".
Regen Anklang bei den Teilnehmenden fand auch die just von XENOS Panorama Bund herausgebrachte Broschüre „Neue Wege im Gesundheits- und Pflegebereich – Innovative Ansätze zur Arbeitsmarktintegration, interkulturellen Öffnung und Fachkräftesicherung“.

Übersicht:
Carsten Drude: Diagnose Pflege und Gesundheit 2014 und Ausblick 2020     
Klaus-Dieter Paul: XENOS-Projekte: Vorreiter für gute Praxis
Forum 1: Neue Wege zur Aktivierung, Orientierung und Qualifizierung
Forum 2: Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen der Gesundheitsbranche
Forum 3: Lokale Vernetzung zur Fachkräftesicherung - Schlüsselfaktoren erfolgreicher Strategien
Forum 4: Kreative Ansätze zur Fachkräftegewinnung vor Ort

Tagungsinhalte:

Grußwort Thomas Becker, BMASThomas Becker, XENOS-Programmkoordinator im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, betonte in seinem Grußwort, dass das Bemühen der XENOS-Projekte um Nachhaltigkeit, Verstetigung und Transfer ganz dem Anliegen der EU-Kommission entspräche und dankte der Transfer- und Vernetzungsstelle XENOS Panorama Bund für die wirksame Unterstützung der Projekte. Die im Mai von der Transferstelle  herausgegebene Broschüre „Neue Wege im Gesundheits- und Pflegebereich“ sei ein weiteres wirksames Mittel zur Verbreitung der guten XENOS-Ideen.

Markus Leßmann, MGEPA NRWMarkus Leßmann, Leiter der Abteilung Pflege, Alter, demografische Entwicklung im nordrhein-westfälischen Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, bekräftigte in seinem Grußwort die Bedeutung der Themen Fachkräftesicherung und interkulturelle Öffnung für die Gesundheitsbranche: „Diese Tagung ist wichtig, weil sich die neuen Herausforderungen an das Pflegesystem nur lösen lassen, wenn man innovativ denkt und Vernetzung über Berufe und Versorgungssysteme hinaus betreibt. Wir müssen die vielfältigen sozialen und kulturellen Potenziale der beruflich Pflegenden optimal nutzen und so auch den Bedürfnissen der kranken und pflegebedürftigen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und kulturellen Hintergründen besser gerecht werden.“

Carsten Drude, BLGSCarsten Drude, Vorsitzender des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e.V. (BLGS)

  Vortrag Diagnose Pflege und Gesundheit 2014 und Ausblick 2020  


 

Klaus-Dieter Paul, u.bus GmbHKlaus-Dieter Paul, Geschäftsführer u.bus GmbH/ XENOS Panorama Bund

Vortrag XENOS-Projekte: Vorreiter für gute Praxis

 

 

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Vier Foren: Gute Lösungen aus der XENOS-Praxis

Forum 1: Neue Wege zur Aktivierung, Orientierung und Qualifizierung

Wie kann das in Deutschland schlummernde Potenzial an Ausbildungs- und Arbeitskräften für das Berufsfeld der Gesundheits- und Altenpflege gewonnen und gefördert werden, besonders bei Menschen mit Migrationshintergrund? Dem drohenden Fachkräftemangel muss durch verstärkte Beratungs- und Qualifizierungsanstrengungen begegnet werden. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund bringen für die kultursensible Pflege in einer vielfältigen Gesellschaft bereits viele Kompetenzen mit, die es im Rahmen von kultursensiblen Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten zu entdecken und zu fördern gilt. Für Menschen mit hoher persönlicher Affinität zu den Berufen der Pflege, jedoch niedrigen oder fehlenden Schulabschlüssen. kann durch vorgeschaltete erste Qualifizierungsmaßnahmen ein Weg in diesen Berufszweig geebnet werden. Oft werden diese Menschen jedoch durch die bestehenden Förderinstrumente nicht erreicht. Im Forum 1 stellten XENOS-Projekte erfolgreiche Praxis und Förderinstrumente vor und diskutieren mit rund 30 Teilnehmenden, welche Möglichkeiten zur Gewinnung und Förderung neuer Potenziale darüber hinaus zukünftig notwendig sein werden.

Caroline Luzolo, Anna Zeien, XENOS-ZIRQELDr. Michaela Möllers XPB/f-bb

Diskussionsergebnisse Forum 1

Beitragende:

Thorsten Gehlhaar, Karla Wieland und Stefanie Maus, Zukunft der Pflege ist buntForum 1

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Forum 2: Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen der Gesundheitsbranche

Die Gesundheits- und Pflegebranche ist eine der am stärksten wachsenden Wirtschaftszweige. Sie ist damit nicht nur ein bedeutender Arbeitsmarkt, sondern auch zur Sicherung einer guten Daseinsvorsorge von großer Bedeutung. Die Zahl der älteren Menschen steigt bei gleichzeitigem Sinken der jüngeren Bevölkerung, was zu einer Konkurrenz bei der Deckung des Fachkräftebedarfs innerhalb der Branchen führt. Deshalb sind innovative Strategien gefragt, die vor allem eine interkulturelle Öffnung des Sektors befördern und eine aktive Personalpolitik in diesem Bereich voran bringen. Der Ausgrenzung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft muss aktiv entgegengewirkt werden. Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen gerade in den Pflegeberufen steigt die Nachfrage nach kultursensibler Pflege und nach Strategien zur Integration von Benachteiligten in diese Branche. Im Forum 2 wurden erfolgreiche Ergebnisse aus den XENOS – Projekten vorgestellt, diskutiert und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet (vgl. Foto der Ergebnissicherung).

Diskussionsergebnisse Forum 2

Beitragende:

Björn Marten, MellonPlusDr. Diana Peitel, Vielfalt kommt an

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Forum 3: Lokale Vernetzung zur Fachkräftesicherung - Schlüsselfaktoren erfolgreicher Strategien

Ein drohender Fachkräftemangel in Pflege und Gesundheit kann durch viele Einzelaktivitäten vor Ort und vernetzt über die regionalen Grenzen hinaus, erfolgreich bearbeitet werden. Transparenz über die unterschiedlichen Angebote, miteinander abgestimmte Maßnahmen und eine sinnvolle Bündelung von Kräften sind Meilensteine für den Erfolg durch Vernetzung. Sie kann, als Alternative zu der viel diskutierten Rekrutierung von Fachkräften im Ausland, das vor Ort vorhandene Fachkräftepotential besser erschließen, insbesondere in Regionen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Die Projektvertreter/ -innen stellten ihre erfolgreichen Vernetzungspraktiken dar und thematisierten förderliche und hinderliche Voraussetzungen. Ganz zentral ist es beispielsweise nach wie vor der persönliche Kontakt, der erst Vertrauen und (institutionelle) Akzeptanz ermöglicht.

Diskussionsergebnisse Forum 3

Beitragende:

Achim Phlmann, Andreas Polack, MellonPlusDr. Wolfgang Joussen, Peter Toporowski, XENOS-ZIRQEL

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Forum 4: Kreative Ansätze zur Fachkräftegewinnung vor Ort

Die drei vortragenden Projekte zeigten anschaulich, wie sie kreative und sozial innovative Ansätze realisieren um neue, bisher nicht oder wenig anvisierte Zielgruppen für berufliche Bildung und/oder Beschäftigung zu gewinnen. Das Projekt "Innovativ wirtschaften für mehr Beschäftigung: Soziale Unternehmen für junge Migranten – SoJung" aus Berlin steht für niedrigschwellige haushaltsnahe Dienstleistungen - etwa Hol- und Bringleistungen, Begleit- und Betreuungsservice für Pflegebedürftige. Damit schaffen sie nicht nur Jobs, sondern sie entlasten sowohl die pflegenden Familien als auch die dort tätigen Fachkräfte: durch die Übernahme von „Hilfstätigkeiten“ können sich diese auf die Kerntätigkeiten konzentrieren. Das Projekt ZIRQEL belegte eindrücklich, wie junge Menschen im Rahmen von Berufsorientierung in Schulen mit spielerischen Methoden (ein ausgeklügeltes 'Quiz') erfolgreich angesprochen und für Perspektiven im Gesundheits- und Pflegebereich interessiert werden können. Das Projekt „Zweisprachige Jugendliche als Fachkräfte gewinnen: Integrationsförderung in Berlin-Neukölln“ startete als niedrigschwellig arbeitendes kleines Beratungsprojekt, mittlerweile ist es, wegen des anhaltenden Erfolgs, ein vom Senat gefördertes Modellprojekt. Die Mitarbeiter/-innen des „Interkulturellen Beratungs- und Begegnungs-Centrum e.V“. (IBBC) bieten Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung bei einer Krankenpflegeschule an. Die Zweisprachigkeit und weitere Kompetenzen, insbesondere von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte, werden als stärkende und motivierende Ressourcen hervorgehoben. Es gelingt auf diese Weise z.B. auch, männliche migrantische Jugendliche für Pflegekarrieren zu motivieren, was durchaus noch nicht üblich ist. Die Projektmitarbeitenden holen ihre Klientel sprichwörtlich auf der Straße ab, sie treffen sie in Cafés oder Frauenfrühstücksrunden der Nachbarschaftshäuser. Die persönliche Eignung und das engere soziale und familiäre Umfeld werden sehr genau betrachtet, um optimale, individuell zugeschnittene Unterstützungsangebote zu schaffen. Erfolgreich und innovativ ist dieser Ansatz, weil er sehr niedrigschwellig ist und sowohl individuell als auch sozialräumlich akribisch vorgeht. Kooperationen mit dem weiteren Umfeld – Schule, Jobcenter, Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH tragen zusätzlich dazu bei, realistische Perspektiven im weiteren Orientierungs- und Ausbildungsgeschehen für die Jugendlichen zu ermöglichen.

Diskussionsergebnisse Forum 4

Beitragende:

Katja Heike Birkhölzer, SoJungIlknur Gümüs, IBBC e.V.

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Abschlussgespräch und Ausblick im Maternussaal

Mit Geschäftsführer/-innen und Projektleitungen der XENOS-Projekte sowie XENOS-Programmkoordination des BMAS

Geschäftsführende der Projekte und Thomas Becker, BMAS

Diskussion

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Die Liste der Konferenzteilnehmenden schicken wir Ihnen gerne zu. Bitte senden Sie eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (Stichwort: Transfertagung Pflege/ Gesundheit 27.5.14).


Fotos: Elke Biester, CONVIS Consult & Marketing GmbH

 

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Europäischer Sozialfonds Bundesministerium für Arbeit und Soziales Europäische Union

Das Projekt "XENOS Panorama Bund" wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.