Dokumentation der Fachtagung „Der Vielfalt gerecht werden – Diversity und Inklusion in der beruflichen Bildung“

Fachtagung des XENOS-Projekts "Vielfalt kommt an! und des Bildungsteams Berlin Brandenburg am 29.4.2014 in Berlin

Foto: Christoph Löffler/ www.chloephoto.de

Begrüßung & Performance

Die Eröffnungsrede hält Moderatorin Meral El vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg. Ziel der Veranstaltung soll eine lebhafte Diskussion um den Diversity-Ansatz und das Thema Inklusion in Schule und Berufsbildung sein. Der Veranstaltungssaal der Werkstatt der Kulturen ist voll besetzt mit Fachleuten aus den verschiedensten Bildungsbereichen und der beruflichen Ausbildung.
Auf die Anmoderation folgt ein Auftritt des Ensembles „Deaf Kat Night“. Eine Künstlerin rappt in Gebärdensprache über die guten und schlechten Reaktionen ihrer Mitmenschen auf ihre Behinderung und ihre sexuelle Orientierung, ihre Kollegin überträgt den Vortrag in Lautsprache.

 

Filmvorführung

Im Anschluss der Film „Wir lernen Diversity“ des Bildungsteams Berlin-Brandenburg. Mehrere Berufs- und Oberschüler_innen aus Berlin und Brandenburg werden auf einem gemeinsamen Lehrgang zum Thema “Ausbildung ohne Ausgrenzung” begleitet. Sie sprechen über ihre Vorurteile und die Erfolge inklusiven Lernens. Eine Teilnehmerin fasst zusammen, was passiert, wenn Leute nicht inkludiert werden: „Wir können nicht alle Fähigkeiten rausholen.“
Workshopleiter_innen erklären das Konzept der Inklusion und ihre didaktischen Strategien für die Vermittlung. So bieten die Trainer_innen verschiedene Module zu Rassismus, Gender und Behinderung, in denen die Jugendlichen speziell für einen Schwerpunkt sensibilisiert werden. Letztendlich bedeute Inklusion die Einbindung aller in alle Prozesse, fasst ein Trainer zusammen.Foto: Christoph Löffler/ www.chloephoto.de

Vorstellung Bildungsteam

Nach dem Film stellt das Bildungsteam Berlin-Brandenburg seine Tätigkeitsschwerpunkte vor. Dazu gehören vor allem Schulungen für Organisationen, die einer „globalen und sich verändernden Arbeitswelt“ Rechnung tragen wollen und Diversity-Trainings für Auszubildende. Alle Kooperationspartner_innen des Bildungsteam Berlin-Brandenburg sind Vorreiter_innen auf diesem Gebiet. Das Bildungsteam bündelt die Synergien dieser Partner_innen und schafft einen Pool für Diversity-Kompetenz.

Vortrag Judy Gummich

Die partizipative Natur des Inklusionsansatzes und seine Bedeutung für demokratische Strukturen betont auch die Menschenrechtlerin Judy Gummich in ihrem nun folgenden Vortrag „Diversity, Inklusion und Menschenrechte - was hat das miteinander zu tun?“ Sie erläutert in ihrer Einleitung sie sei „nicht nur Rolle, sondern auch Person“. Die Motivation hinter ihrer Arbeit für das Deutsche Institut für Menschenrechte sei auch biografisch. Sie geht auf den Wortlaut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein und erläutert, dass Menschenrechte kein Wunschkatalog sind. Es gehe immer um alle Menschenrechte – und zwar bedingungslos. Beispielsweise seien Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit nicht ohne einander realisierbar. Sobald Menschenrechte an Bedingungen anknüpften, wären sie nicht mehr Rechte, sondern Privilegien und somit exklusiv. Die angeborene Menschenwürde, beispielsweise, eigne sich nicht als Leistungsbegriff. Vor allem seien Menschenrechte auch eine Maxime in zwischenmenschlichen Beziehungen, nicht bloß Gesetze – in beiden Fällen werden sie ja oft genug ignoriert. Und wo Menschenrechte ignoriert würden, sei das friedliche Zusammenleben in Gefahr.

Gegen Normen, für Vielfalt

Nach diesem einführenden Diskurs geht Judy Gummich auf die Inklusion ein. Im Kern sei Inklusion gegen die Norm und für die Vielfalt. Diversity sei also ein Teil von Inklusion. So werde auch bei der Umgestaltung der Regelschule die Transition von integrativen zu inlusiven Konzepten unumgänglich sein. Während erstere das Individuum umformten, wollten letztere die Institution reformieren. Dies sei vor allem ein Erfolg der heterogenen Kämpfe für Partizipation - der rote Faden sei hier nämlich stets die „Akzeptanz des So-Seins“ gewesen, die Selbstverständlichkeit des Dabeiseins. Am Ende gewinnt die Gemeinschaft - so erzählt Judy Gummich von einer Lehrerin, die berichtete wie ihre Schulklasse “auseinanderfiel”, wenn eine „schwerbehinderte“ Mitschülerin nicht anwesend war. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und der Zusammenhalt werden stärker, je mehr Menschen an dieser Gruppe teilhaben können. Doch letztlich gehe es nicht um Schönheitskorrekturen bestehender Systeme. “Wo Inklusion draufsteht, müssen Menschenrechte drin sein”, fordert Gummich. Es reiche nicht, hier und da barrierefreie Zugänge einzubauen. Mit diesem Plädoyer endet der Vortrag.

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Vortrag Prof. Dr. Wilhelm

Nächste Rednerin ist die emeritierte Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Wilhelm von der Pädagogischen Hochschule Wien. In ihrem Vortrag „Was ist eine Schule ‘all inclusive’?“ präsentiert sie den Forschungsstand zur Arbeit mit heterogenen Lerngruppen. Dem vor etwa 20 Jahren aufgekommenen Inklusionsansatz gehe es eben nicht um pauschale Massenabfertigung sondern um eine „differenzierte Schule“. In einer Grafik zeigt sie die historische Evolution von der Regelschule über Exklusion, Segregation und Integration bis hin zum differenzierten, inklusiven Schulsystem. Doch warnt die Forscherin: „Solange es Sonderschulen gibt, werden sie genutzt.“ Man dürfe angesichts Deutschlands und Österreichs Nichteinhaltung entsprechender UN-Konventionen nicht „so tun als wäre es möglich [in diesem Bildungssystem], heterogene Lerngruppen zu schaffen.“ Schließlich sei eine Absicht des Schulsystems alle gleich zu machen und Heterogenität zu verringern. Allerdings sollten nur die Rechte gleich sein – die Menschen dürften unterschiedlich bleiben.

Regelschule „extrem hemmend“

Als Institution bewertet Wilhelm die Schule als “extrem hemmend” für die individuelle Entwicklung der Lernenden. Denn es gehe um die Verankerung des Leistungsprinzips und zwar so tief, dass Schüler_innen beginnen sich selbst über ihre “Leistung” zu definieren. Mitbestimmung von Schüler_innen an ihren Lernstätten sei noch immer zu verwirklichen, nach dem Prinzip „Nichts über uns ohne uns!“. Dazu müsse man nicht immer gleich Neues suchen, sondern müsse Bestehendes neu sehen, quasi durch die „inklusive Brille“. Anstatt „Förderbedarfe“ zu deklarieren und Kinder an eine starre Norm „heranzuführen“, müssten individuelle Kompetenzen erkannt werden. Wilhelm spricht hier eine wiederkehrende Erkenntnis der post-integrativen Didaktik an: „Frage nicht, was ich nicht kann, sondern was ich kann!“ Als „Lehrerin der Lehrer_innen“ spricht sich Wilhelm dafür aus, nicht Kinder zu „verbessern“, sondern Werthaltungen in der Pädagogik und natürlich die Unterrichtsqualität.

 Vortrag Dr. Bylinski

Nach der Erziehungswissenschaftlerin spricht eine Repräsentantin der Bundesebene. Dr. Ursula Bylinski vom Bundesinstitut für Berufsbildung erklärt: „Inklusion in der beruflichen Bildung braucht die Professionalität des Personals“. Basierend auf dreißigjähriger Erfahrung aus der „beruflichen Benachteiligtenförderung“, wie es unverblümt im Behördenjargon heißt, fordert Bylinski, die „Leitidee der Normalität“ fallen zu lassen, Ungleichheit zu erkennen und – ganz pragmatisch – nutzbar zu machen. Dabei dürfe man ruhig „Ungleiches ungleich behandeln“. Sehr anschaulich werden die bürokratischen Fallstricke, als die zerklüftete gesetzliche Förderlandschaft präsentiert wird. Beispielsweise sichert das Berufsbildungsgesetz (BBiG) für Menschen mit Behinderung zwar Unterstützung für „theoriegeminderte [sic!] Ausbildungsberufe“ zu, andere Gruppen werden aber in ganz anderen Regelwerken, beispielsweise im Sozialgesetzbuch, oder – wie sozial Diskriminierte – gar nicht behandelt. Abgesehen davon bekämen nur wenige Abgänger_innen der Sonderschule überhaupt einen Ausbildungsplatz. Drei Viertel erhielten noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss. So scheint es, das Berufsbildungsgesetz unterstütze nur diejenigen, die das Schulsystem nicht aussortieren konnte.

Aussortierung statt Ausgleich

So attestiert auch Bylinski dem deutschen Schul- und Ausbildungssystem Weltrang vor allem bei der sozialen Selektion und schlägt die Brücke zur sozialen Frage. Denn Gleichbehandlung und soziale Gerechtigkeit werden allzu oft gegeneinander ausgespielt. Dabei ist eins nicht ohne das andere zu haben. Abschließend stellt die Referentin eine Studie vor, in der sie untersucht, welche Kompetenzen Lehrkräfte brauchen, um inklusiven Unterricht zu leisten. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Einstellung der Lehrenden ungleich wichtiger sei als ihr Wissen. Fortbildungen für inklusiven Unterricht sollten also stets die Haltung und Selbstreflexion der Teilnehmenden im Auge behalten. Wieder gelingt der Wissenschaftlerin die Synthese: “Professionalisierung geht nicht ohne Auseinandersetzung mit der eigenen Person.”

Foto: Christoph Löffler/ www.chloephoto.deWorkshops

Im Anschluss an die Präsentation teilt sich das Tagungspublikum in die fünf Workshops auf.

Workshop 1/ Inklusion in der Berufsausbildung

Inklusion bedeutet die Einbeziehung aller, mit allen möglichen Unterschiedlichkeiten. Welche Haltung ist speziell bei der Arbeit mit heterogenen Gruppen in der Berufsausbildung notwendig? Wie können sich Bildungsinstitutionen Schritt für Schritt inklusiv entwickeln? Dies soll anhand von gelungenen Ansätzen und Erfahrungen aufgezeigt und diskutiert werden.

Jenny Howald, Diversity Trainerin, Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.
Caroline Treier, Inklusionsbeauftragte, Evangelische Schule Berlin Zentrum

Workshop 2/ Auszubildendenbeteiligung stärkt Vielfalt!

Nicht ohne Grund hat in Inklusionsprozessen die Partizipation aller an Bildungsinstitutionen Beteiligten eine wichtige Rolle. Auch für die Konfliktprävention bieten sich durch die Beteiligung von Auszubildenden und Berufsschüler_innen wichtige Chancen. Aber in welchen Bereichen der Berufsbildung kann Beteiligung und Mitbestimmung überhaupt sinnvoll umgesetzt werden, in welchen nicht? Was verhindert, was begünstigt Beteiligung? In diesem Workshop wollen wir u.a. diesen Aspekten nachgehen und Ansätze aus der Praxis erproben.

Cvetka Bovha, Referentin und Anti-Bias Trainerin, Anti-Bias-Netz
Iven Saadi, Diversity Trainerin, Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.

Workshop 3/ Gute Arbeit!

Viele Auszubildende machen sich während der Berufsausbildung Gedanken, wie sie später arbeiten wollen und wie sie mit den Herausforderungen des Arbeitsalltags umgehen sollen. Wie können sie dabei unterstützt werden? Zu dem Thema "Gute Arbeit" haben wir ein 3tägiges Bildungsmodul entwickelt, über das wir ins Gespräch kommen wollen.

Stefan Bommer, Referent in der politischen Bildungsarbeit, Bildungsteam Berlin- Brandenburg e.V.
Susanne Lang, Referentin in der politischen Bildungsarbeit , selbstständig

Workshop 4/ Behindert ist man nicht, behindert wird man

In unseren Projekten zum Thema Behindertenfeindlichkeit ist ein bewusster Umgang mit Heterogenität wichtige Voraussetzung. Welche Möglichkeiten gibt es, Perspektiven jenseits von Labeling und binären Norm-Vorstellungen von Gesundheit/Krankheit, normal/nicht normal in der pädagogischen Praxis aufzuzeigen?

Antje Barten, Masterstudentin, Alice Salomon Hochschule
Horst Gerlich, Diversity Trainerin, Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.

Workshop 5/ Diversity etablieren – Organisationsentwicklung in beruflichen

Ausbildungseinrichtungen

Um den Diversity-Gedanken nachhaltig in einer Bildungsinstitution etablieren zu können, bedarf es der Organisationsentwicklung. Welche Konzepte gibt es und wie können Entwicklungsprozesse angestoßen und umgesetzt werden? Wir berichten aus der Praxis und wollen gelungene Ideen und Ansätze diskutieren.

Angela Kalis, Diversity Trainerin, Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.
Britta Loschke, Verhaltens-und Kommunikationstrainerin, Trainer*innenkooperative Bildung in Bewegung

Vortrag Prof. Dr. do Mar Castro Varela

Nach Beendigung der parallel laufenden Workshops, werden die Workshop-Ergebnisse kurz und knapp vor allen Teilnehmenden im großen Versammlungssaal präsentiert. Im Anschluss referiert Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin zum Thema „Interventionen in Normalitätsdiktate? Strategien sozialer Transformation“. Sie kritisiert ebenfalls das klassische Paradigma der „Minderheitenintegration“. Wirksame Ansätze der Inklusion dürften nicht in das Dogma von den „Anderen“ und der „Norm“ verfallen. Dabei verhüllt die Professorin nicht ihre Forderung nach politischer Transformation. Darauf müsse jede Theorie abzielen und ohne Theorien ließe sich auch keine Praxis durchführen. Benutzten wir Diskurse, dann müssten wir auch die Produktionsstrukturen hinter den Diskursen kennen. Und diese Strukturen seien „normalisierte Gewalt“, die sich auf unterschiedlichste Weise gegenüber „Marginalisierten“ ausdrückt – direkt physisch, epistemisch und strukturell. Diversity-Projekte hätten oft nur eine beschönigende Funktion und seien „Teil des Geschäfts“. Weiter bemängelt sie, dass die kritische Wissenschaft eher dazu neige, das Vokabular (und somit die Weltanschauungen) der Regierungsorgane zu übernehmen als andersherum. Sie erinnert daran, dass politische Organe die oberste Pflicht hätten, die Bedürfnisse der Menschen zu bedienen. Wo diese Organe versagten, verloren sie auch ihre Legitimation, auf welches Recht auch immer sie sich dann beriefen. Ein Porträt von First Lady Eleanor Roosevelt mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus der Zeit der gesetzlichen Rassentrennung in den USA warnt uns vor dieser Schizophrenie und erinnert uns, woher das Vokabular der Inklusion stammt. Die Lücke zwischen Recht und Gerechtigkeit bestünde weiter und eine „Demokratie“ sei bestenfalls im Entstehen, aber noch nicht etabliert.

Diversity als Management-Strategie

Die Professorin berichtet, wie sie am Hermannplatz einen jungen Mann nach dem Weg zur Werkstatt der Kulturen fragte. Seine lakonische Antwort: „Nee, Kultur, also echt nicht!“ Auch ihrer eigenen Rolle als „Multiplikator_innen“ der herrschenden Kultur gegenüber „Bildungsentfernten“ sollten sich die Konferenzteilnehmer_innen bewusst sein. „Diversity“ sei ein Mainstream-Konzept, das oft nur die halbherzig getarnte „optimale Ausnutzung personeller Ressourcen“  verfolge. Sie zitiert Sara Ahmeds Zitat von der „Diversity Trap“: Das Konzept Diversity pendle stets zwischen neoliberalen Geschäftsinteressen und sozialer Gerechtigkeit. Jede Kritik von diesem vorgegebenen Standpunkt aus müsse als „kritische Kritik“ zur Stabilisierung der Verhältnisse beitragen, nicht zu deren Transformation. Auch die Sozialarbeit sei eher Teil des Problems, so fordert die Dozentin von ihren Student_innen: „Schafft euch selbst ab!“ Sie fordert, die „demokratischen Reflexe“ der „Bildungsentfernten“ zu stärken – also Menschen zu ermächtigen, ihre Rechte zu erkennen und zu erkämpfen. Es müssten auch geschlossene „identitäre Zwischenräume“ möglich sein, die vor staatlichen Integrationsbeauftragten sicher sind und gleichzeitig dürften wir Menschen nicht in Identitäten zwängen. Minderheiten müssten gestärkt werden in ihrer Eigenheit, wenn auch nur symbolisch. Sie appelliert daher mehr „Ermöglichungsräume“ zu schaffen. Sie kritisiert, dass Marginalisierte immer beruflich qualifiziert werden sollen und den Trend im Organisationsmanagement, „heterogene“ Teams schaffen zu wollen. In Wirklichkeit „funktionierten“ nur homogene Teams im vorgegebenen Rahmen. „Harmonisierte Homogenität“ dürfe nicht das Ziel von inklusiver Bildung sein. Perspektiven seien materialisierte Erfahrungen; konfrontiert mit wirklich heterogenen Perspektiven würden „wir“ (die homogenen Anwesenden) oft in unsere Schranken gewiesen.

Konservative Inklusionsstrategien

Auch die existierenden konservativen Inklusionsstrategien würdigt sie. So sei in Baden-Württemberg eine Förderschule mit einer Hauptschule zusammengelegt worden. Die Schüler_innen säßen zwar nun gemeinsam im Unterricht, aber der Schulhof sei durch eine Linie getrennt worden, um Konflikte in den Pausen zu verhindern. Wir müssten die Vielfältigkeit der Diskriminierungen bedenken und auch, dass viele Diskriminierte ihre Diskriminierung gar nicht als solche wahrnehmen. Die Akademikerin fordert uns, ihre Kolleg_innen auf, uns zu fragen, warum manche Leute keine Bildung „begehren“, warum wir unsere eigenen Dienstleister_innen ausbilden, warum der junge Mann vom Hermannplatz sich nicht um die Werkstatt der Kulturen schert. Abschließend empfiehlt Prof. Dr. do Mar Castro Varela, uns nicht vom Effizienzdenken hinter dem Diversity-Konzept vereinnahmen zu lassen, Utopiefähigkeit auszubilden und die Normalität zu problematisieren.

Abschluss

Zum Abschluss des Tages spricht Moderatorin Meral El: „Wer Inklusion will, sucht Wege, nicht Begründungen.“ Es ginge nicht nur um Multikulti, sondern um Selbstbestimmung. Hier könnten wir in Deutschland beispielsweise von England lernen. Meral El weist darauf hin, dass ihr Widerstand gegen Exklusion gerade darin bestünde, sich nun zu nehmen, was ihr nicht gegeben wird. Diversity brauche Anerkennung von Vielfalt, Antidiskriminierungskultur und das Neudenken der Verteilung von gesellschaftlichen Privilegien und Ressourcen. Dabei spielen für Meral El vor allem Dekolonialisierung und Menschenrechte eine ausschlaggebende Rolle. Weiterhin dankt sie den Veranstalter_innen dafür, “so viele unterschiedliche Menschen” zusammengebracht zu haben.

Kontakt:
Herr P. Wagenknecht/ Frau J. Howald
Bildungsteam Berlin- Brandenburg e.V.
Cuvrystr. 20
10997 Berlin
Tel.: +49 (0)3061076544
E-Mail: diversity-projektleitung [AT] bildungsteam [PUNKT] de

Alle Fotos: Christoph Löffler/ www.chloephoto.de

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